Und, wer hat denn jetzt den schönsten Popo?
Gute Besserung Dennis! Ja, der Dennis liegt seit heute leicht kränkelnd im Bett. Ich darf an dieser Stelle nicht mehr über seinen Gesundheitszustand schreiben, weil wir alle Angst haben, dass man uns wenn wir einmal krank werden abholt und wochenlang isoliert einsperrt, wenn nicht gar völlig entkeimt mit Methoden, über die niemand offen sprechen möchte. Nur soviel: Alles halb so schlimm, man nennt das glaube ich auch “Magenverstimmung”.
Verstimmung, gutes Stichwort. Wir waren gestern leicht verstimmt, als wir am Mittag quasi allein im Starbucks saßen, das Internet aber einen eher überfüllten Eindruck machte. Wir waren “quasi” allein, weil hinter mir – sich anschweigend – ein DEUTSCHES Paar saß. Millisekunden bevor ich etwas (selbstverständlich sehr Nettes) über die beiden verlieren wollte, bemerkte ich glücklicherweise dann doch noch, dass diese beiden Europäer aus Deutschland angereist sind. Malte hatte das ja bereits am Marco Polo Reiseführer erkannt, ich kenne mich mit diesem wirklich (Zitat Malte) “typisch deutschen” Buchwerk ja leider gar nicht aus.
Die Begengung mit diesem kommunikationsarmen, offenbar schon länger verbandeltem, Paar war dann auch recht kurz. Wir haben nämlich kurzerhand die Starbucks-Fillale gewechselt und sind fünf Gehminuten weiter gezogen.
Und dort haben wir dann wie wild Flüge, Hotels und Hostels gebucht. Aus rechtlichen Gründen darf ich an dieser Stelle leider noch nicht zu viel über unsere drei Wochen am Ende des Auslandsaufenthaltes verlieren. Ja, es ist schließlich mein gutes Recht noch ein wenig geheimnisvoll zu bleiben! Außerdem ist unser Reisemarathon ein eigener Eintrag wert. Demnächst.
Vor unserer kleinen Reise waren wir “shoppen”. Also eigentlich sind wir nur die lange Einkaufsstraße entlanggelaufen und hier und da durch lilafarbene Läden gelatscht. Ich wollte wirklich etwas Modisches einkaufen, aber irgendwie waren Malte und ich dann doch zu lustlos. Oder war es einfach die Mischung aus offenbar trendigen Plastikklamotten und hinter einem herrschleichende Verkäuferbanden?
Ich denke, dass es sich bereits rumgesprochen hat, trotzdem an dieser Stelle noch einmal der Hinweis: Wer jetzt trendy sein will, der trägt Beere. Also keine Kettchen mit Anhängern aus Plastik-Obst, sondern vom T-Shirt bis zu den Socken einfach alles in Farben von Beeren, vorzugsweise lila.
Ich persönlich habe heute nicht immer gemerkt, dass wir in einem neuen Geschäft angekommen waren, denn es sieht einfach alles ähnlich aus. Im Detail unterscheidet es sich dann nur, ob es sich um lila Streifen oder lila Karos handelt. Ist ja dann aber eigentlich auch völlig egal. Vereinzelt versuchen die Leute noch die ausdrucksstarken Neon-Klamotten der letzten Season zu verramschen, aber eigentlich ist die Botschaft klar: Die Hölle ist in diesem Herbst lila! Entzückend.
Also: Erlebnisreise im Dezember geplant und gebucht, lilane Kleidung spektpisch gemustert (was für ein Wortspiel!), aber nicht gekauft. Dann mit dem Taxi nach Hause.
Und da hat es der Taxifahrer heute geschafft, dass ich ihn hier erwähne. Ich glaube, dass er kaum älter war als wir. Man hat hier ja manchmal das Gefühl, dass Taxi fahren das chinesische Zeitungen austragen ist. Schon nach dem Einstieg fiel die englischsprachige Popmusik auf. In der Regel hört der typische Taxifahrer in Xi’an ja an Bauerntheater erinnernde Hörspiele, welche lediglich aus einschläferndem Stimmenwirrwarr bestehen. Aber der gestrige setzte dann noch einen drauf und klappte beim nächsten Song ganz gekonnt das Display vom auf dem Amaturenbrett festgeschnallten DVD-Player auf. Und da konnte ich dann vom hinteren Sitz aus… Popos erkennen. Deutsche Popos! Dazu Text auf einer Sprache, die mir vertraut vorkam.
Ja, es war ein Popsong aus Deutschland, welcher ich glaube 2008 mehrere Wochen die Spitzenposition der Charts besetzte. Ich bezweifle, dass der Taxifahrer auch nur ein Wort des Textes verstanden hat. Da hat er auch keine große Lyrik verpasst. Nachdem am Nachmittag in einem Modegeschäft also schon Sarah Connor aus den Boxen plärrte, wurde uns also jetzt im Taxi permant das mit einfältigem Beat unterlegte Kompliment “Du hast den schönsten Arsch der Welt” entgegengebracht. Und eben das Video dazu.
Die deutsche Musikkultur und ihr “Popo-Pop” hat das Land der Mitte erreicht. Eine trauriges Fazit an diesem Mittwoch Abend.
Quelle Titelbild: http://www.flickr.com/photos/srgblog/2261072090/ (CCL)
2 Kommentare
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Katha
In meiner chinesischen Stammbar China Groove war mal Falko-Abend. Den ganzen Abend richtig geile Partystimmung, sag ich dir. Vor allem dieses Lied über den Kindervergewaltiger…
Die Austauschstudenten der FH hier in Hildesheim kommen von einer deutschlandbegeisterten chinesischen Schule. Die wurden morgens immer zur Morning Exercise, also so Fitnessübungen auf dem Schulhof, gezwungen. Und das Lied dazu: “Deutschland” von den Prinzen. Der eine Chinese hat mir das hier mal vorgesungen – synchron zu seinem Handyklingelton. Ich hab mich nicht mehr eingekriegt! :-D
Du musst dich an den Musikgeschmack dort gewöhnen. Die sind da auch irgendwie immer 10 Jahre zurück. Letztes Jahr war ja dieses “I’m a big big girl in a big big world” total hip. Lief auf voller Dröhnung mal im Bus und ich hab mitgesungen. Genieß das Leben in einem Land, wo irgendwie nichts peinlich ist. ;-)
Und: Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, hast du ein lila T-Shirt getragen, übrigens. Wollte ich nur sagen…
15.10.2009, 11:04 Uhr
Wo ist die Liebe? - Marvin in China
[...] hört man hier aber auch einmal deutsche Töne: Im Taxi geht es um Popos (ich berichtete) und ganz vorne dabei ist Sarah Connor, erst vor wenigen Minuten hier im Zug wieder einmal gehört [...]
30.12.2009, 05:28 Uhr