Ein Sonntag

18.10.2009 | Neuigkeiten

Der Sonntag, im Allgemeinen ein Tag voller Stille und Entspannung. Voller Ruhe und Gemütlichkeit, ganz ohne Hektik und Menschenmassen. – Nicht hier. Nicht an einem Sonntag.

Es ist kurz nach halb zwei in der Nacht und in etwa sieben Stunden klingelt mein Wecker zur sympatischen “Frühvorlesung” am Montag. Na, dann erzähle ich doch einfach mal von meinem Sonntag, wenn ich doch gerade Zeit habe.

Wir waren heute in der Innenstadt und damit Teil einer großen Volksbewegung. Da es hier keinen Sonntag im geschlossenen Sinne gibt, nutzt der Chinese an sich diesen Tag gerne für einen kleinen Stadtbummel. Vielleicht ein Tipp für Deutschland, um die Konjunktur anzukurbeln. Ich finde es ja an Tagen wie heute eher anstrengend, es hat eher etwas von Volksfest und sich drängenden Massen. Und einem totalen Verkehrschaos der Innenstadt. Und 5 Bussen hintereinander, alle bis zum Rand mit Fahrgästen voll – keine Chance für die langen Schlangen an den Bushaltestellen kürzer zu werden. Die für uns einfach kaum zu fassende Masse an Chinesen ist wirklich demnächst einmal einen Blogeintrag wert.

Hier aber erst einmal die Preisfrage der Woche. Viel wurde bereits geschrieben über das “Mysterium Taxi”, nicht alle Fragen konnten bisher erfolgreich erforscht werden. Aktuell gibt folgende Situation Rätsel auf: Während Malte und ich ja bereits neulich schon bei dem Versuch scheiterten, zwischen 16 und 17 Uhr ein Taxi in die Innenstadt zu besteigen, standen wir heute auf dem Weg zurück zum Wohnheim vor ähnlichen Problemen. Wieso kommen einem auf einmal auf einer vor Verkehrsteilnehmern kollabierten Hauptstraße leere Taxis entgegen – erst eins, dann zwei, dann drei – welche alle mit der gleichen Handbewegung ein Einsteigen ablehnen. Gut, zwischen 16 und 17 Uhr dürft ihr Taxis nicht in die Innenstadt fahren, got it. Aber wieso dürft ihr keine Fahrgäste mitnehmen, bei eurem Weg aus der Stadt heraus? Rätsel!

Eine Stunde später klappte es dann übrigens doch noch, wenn auch wieder nicht beim ersten Versuch. Vielleicht steht auf diesen gelben Schildern auch “Europäer sind doof” drauf. Obwohl… die chinesische Mutter neben uns wollte der Taxifahrer auch nicht befördern.

Wir stehen also vor einem weiteren Kapitel eines Mysteriums. Aber ich bin mir sicher, dass die Taxifahrer von einer höheren Macht zu ihrem Tun gezwungen werden. Denn eigentlich sind die alle immer nett und hilfsbereit!

Ich sollte noch schreiben, wieso wir eigentlich heute in der Stadt waren. Kultur! Im Muslim Quarter haben wir uns eine Moschee angeschaut. Ich fand sie unspektakulär. Die Tempel haben Buddah, Räuchstäbchen, viele Menschen und irgendwie eine gewisse Aura. Das soll jetzt übrigens keine religiöse beurteilung sein! Die Moschee heute sah mir einfach zu sehr nach Stadtgarten aus, zu viel Gestein ohne kulturellen Bezug, es fehlte irgendwie die individuelle Note. Es war nett, aber eben eher wie ein Park. Ruhig und ideal, um auf einer Bank zu sitzen.

Trotzdem ist das muslimische Viertel immer wieder eine Taxifahrt wert, wir waren jetzt zum dritten Mal dort. Ich mag die Atmosphäre und die vielen vielen Stände mit Allerlei haben ihren eigenen Charme.

Essen waren wir heute auch dort. Man lotzte uns von der unteren Bestelltheke elegant in den Fahrstuhl und damit in den dritten Stock. Dort erwartete uns dann leckeres Essen, zum Beispiel Hackfleisch in Sesam-Blätterteig oder Dumblings. Wer die wohl bestellt hat von uns Dreien. Uriges Detail: Statt Tischdecke werden 20 zugeschnittene Malerplanen aufgelegt. Geht ein Gast, wird mit einem Handgriff der Tisch gesäubert. Praktisch, aber nur bedingt gemütlich. Sorgt aber defintiv dafür, dass man unbeschwert und ohne Angst vor Flecken schlemmen kann.

Soviel also zu meinem sonnigen Sonntag. Am Abend war ich noch ein Stündchen mit Deutschland telefonieren und habe auf dem Weg ins Wohnheim noch David, unseren Tutor, getroffen. Der holte gerade eine große Kanne voller heißem Wasser – zum trinken. Er wohnt quasi bei uns im Haus; es ist das selbe Gebäude, aber ein anderer Eingang. Ich habe mich einfach einmal dreist eingeladen sein Zimmer zu besichtigen, was er übrigens mit drei bis fünf anderen Studenten teilen dürfte – das Titelfoto deutet die Situation an. Da mich interessiert wie er so lebt, werde ich ihn also demnächst einmal besuchen. Und dann hier berichten.

Zu Recht wurde übrigens letztens darauf hingewiesen, dass wir das Studieren nicht vergessen sollen. In der Tat entsteht in meinem Blog manchmal der Eindruck, dass die Priorität mehr bei amerikanischen Genussmittelketten liegt. Deshalb schreibe ich sehr gerne die Tage auch einmal über unseren Studienalltag. Von der Mensa, von unseren Vorlesungen und ob ich jetzt endlich die chinesischen Zahlen bis 20 beherrsche.

Studieren ist dann auch ein willkommenes Stichwort. In jetzt knapp sechs Stunden werde ich das wieder tun. Und bald darüber schreiben, versprochen.

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3 Kommentare

  • Katha

    An manchen Feiertagen sind Taxis für bestimmte Leute zu bestimmten Zeiten reserviert. Wenn du dann am Straßenrand winkst, halten die Fahrer nur kurz an, fragen wo man hin will und wenn der Zielort nicht auf der Strecke liegt, fahren sie halt weiter… So wars jedenfalls mal in Dongguan… Mysterium gelöst?! :-)

    Ansonsten: Foto vom muslimischen Viertel mit ganz viel Charme, bitte.

    Und: Ich wette, du kannst die Zahlen bis 20 noch nicht!(Weil: Wer auf Chinesisch bis 20 zählen kann, der kann es auch bis 99… Das Zählsystem ist ja nich sehr kreativ… :-P)

    18.10.2009, 23:27 Uhr

  • Marvin

    Aber gestern war doch garkein Feiertag. Und was heißt hier “bestimmte Leute”. Das ist doch mysteriös.
    Mal schauen, was deine Wette so angeht. ;-)

    19.10.2009, 02:09 Uhr

  • Katha

    Bestimmte Leute = z.B. Peter Müller aus Xi’an will um 5 zu seiner Oma. Keine Ahnung. … Ich sag dir nur, wie das mit den Taxis bei mir mal war. Da mussten den einen Tag alle Chinesen ihre Famiien treffen… Frag doch einen Chinesen aus der Uni?!

    Meine Wette… Wir haben übrigens noch ne andere am Start. Ich sage nur 5 große Tüten Haribo. Die läuft noch!!!!

    19.10.2009, 08:33 Uhr

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