Eine traditionelle chinesische Hochzeit und wie gerade noch verhindern werden konnten, dass der Braut die komplette Aufmerksamkeit gestohlen wurde.
So waren wir also letzten Samstag im Restaurant hinter dem Parkplatz mit den Knallern, ich berichtete gestern bereits. Im Erdgeschoss sollte eine Hochzeit stattfinden und wir wurden gefragt, ob wir sie nicht anschauen wollen. Punkt 12 Uhr gingen wir die Treppen runter, an dessen Ende dann auch genau in diesem Moment die Braut stand, die darauf wartete in den Saal nebenan einzutreten.
Wir Drei stellten uns hinter sie und folgten Gott sei Dank nicht der bitte von Laura und Oliver, doch bitte ruhig in den Saal zu gehen. Denn hätten wir dies getan, dann genau in dem Moment, in dem ein großer Scheinwerfer auf die Tür gerichtet wurde und alle die Braut erwarteten. Wer hätte noch auf die Braut geschaut, wenn da Europäer sind! Das meine ich nicht arrogant, das ist hier oftmals eine Tatsache, dass man sobald man irgendwo ist ein Blickfang ist.
So ließen wir die Braut gekonnt vorgehen und mogelten uns dann, so unauffällig wie wir eben so sein können, in den Saal.
Ich musste noch einmal genau nachdenken, ob man wirklich gesagt hatte, dass dies eine traditionelle chinesische Hochzeit sei. Aber dem war so und offenbar lieben es die Chinesen kitschig, glitzernd und bunt. Ich beschreibe das mal:
In einem Saal mit vielen runden Tischen sitzen viele Menschen, vereinzelt mit einer (bunten) Winterjacke angezogen, weil es nicht sehr warm ist. Mit Außnahme des Brautpaares kleidet man sich meist nicht übertrieben edel.
Auf den Tischen stehen Snacks, dazu jeweils eine große Flasche Sprite, Fanta und Coka Cola (Tatsachenbeschreibungen sind keine Schleichwerbung). Ein Moderator, der mit seinem Glitzer auf dem weißen Anzug ein wenig an Las Vegas erinnert, führt durch die Hochzeits-Show.
Die Braut tritt ein und schreitet stark angeleuchtet zum Al… zur Bühne. Der Bräutigam wenig später ebenfalls. Es folgt die Zeremonie, welche für mich sehr routiniert wirkte und recht zackig durchgeplant war. Kerzen Anzünden, Ja-Wort, Mama danken, Papa danken, Küsschen, Glückwünsche, fertig. Zwischendurch Feuerwerk und Konfettibomben. Alles vom Moderator koordiniert und moderiert, außerdem mit verschiedener Musik hinterlegt. Und die Idee nach wichtigen Sätzen kleine Soundeffekte abzuspielen ist offenbar von Büttenreden inspiriert und wirkt glaube ich nur für uns aus Karneval-Deutschland nicht ganz ernst. Der Hochzeitssong des Paares kam übrigens von Celine Dion.
Wer mich nicht kennt, der denkt, es habe mir nicht gefallen. Wer mich kennt, der mutmaßt : Kitschige Hochzeits-Show? Mag Marv.
In der Tat habe ich da sehr gerne zugeschaut, hey, das war fast wie eine Fernsehshow! Eine richtige Hochzeit sieht für mich als Teilzeitspießer aber dann doch anders aus. Trotzdem ein gelungener Einblick in die moderne Form des traditionellen chinesischen Ja-Worts.
Nach der Zeremonie war dann auch schon das Mittagessen in unserem eigenen Séparée angerichtet. Bilder davon morgen.
Quelle Titelbild: http://www.flickr.com/photos/smil/3718096943/ (CCL)
1 Kommentar
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Julian
Ich gestehe: Der Artikel entwickelte sich anders, als zu Anfang erwartet. Traditionelle Hochzeit? Hätte ich mir jetzt wie in irgend einem uralten chinesischen Folklore-Film vorgestellt. Wobei mir ganz konkret wohl sowas wie in Karate Kid 2 vorgeschwebt hätte – aber halt, das war auch eher japanisch. Sollte hier also der wirklich deutliche Unterschied zwischen Chinesen und Japanern liegen? Also so für mich als Nur-Europäer halt… hm.
Jedenfalls scheint die heutige Realität wohl dann ja wirklich wirklich anders auszusehen: so Las-Vegas-westlich angehaucht klingt das für mich. Schade eigentlich!
6.12.2009, 17:42 Uhr