Nanjing als dritte Station unserer Reise bietet nicht nur viel Grün, sondern auch mir die Gelegenheit, einmal als Übersetzer tätig zu werden.
Was zunächst anmutet als hätte ich warlos vier Vokabeln von meinen Karteikastenkarten abgeschrieben, ist ein Zitat von der Anzeige in unserem Zug von Hangzhou nach Nanjing. Ich helfe da fix bei der Übersetzung: Die Anzeige informierte uns darüber, dass unser Zug Verspätung hat. Zwischendurch hieß es auch bei Stillstand zeitweise “Track now pause”. Ich fühlte mich zurückerinnert und dachte spontan an meinen ersten CD-Player und so einen Kopf, der aussieht wie eine römische Zwei. Der Unterschied nur: Der Zug hatte keinen Knopf zum reaktivieren.
Deutlich unter 10 Euro für sechs Stunden Zugfahrt, das ist wirklich ein fairer Preis. Selbst wenn man die vielen stetig drängelnden Chinesen und den ständig vorhandenen Nahrungsgeruch addiert, kommt man immer noch besser weg als bei einer Fahrt in Deutschland am Freitag in Kasernennähe. Doof nur, dass wir nicht so richtig auf eine lange Zugfahrt eingestellt waren. Sämtliche Bücher waren in Shanghi im Koffer, der Akku meines tragbaren Obstcomputers leer und zur Ablenkung blieb nur Musik aus meinem (jetzt mal Klartext!) iPod.
Es war die langweiligste Zugfahrt meines Lebens. Weit nach Mitternacht waren wir am Bahnhof in Nanjing und dann mitten in der Nacht um halb drei endlich im Hotel. Die nicht englischsprachrige Dame am Tresen drückte mir irgendwann nur einen Hörer in die Hand mit “irgendwem” am anderen Ende, der mir sagte: “Please wait ten minutes.” Das Zimmer war korrekt gebucht, die Dame hatte mir zuvor das Fax gezeigt. Die Sicherheitsleistung hatte ich einige Augenblicke vorher per Kreditkarte bezahlt. Wir wussten also nicht, wieso wir nun warten sollten, sie vielleicht auch nicht. Nach deutlich mehr als zehn Minuten streckte sie mir dann unsere Zimmerkarte entgegen. Wenige Minuten später waren wir im Zimmer und schliefen ein.
Also: Dritte Station unserer Abschlussreise ist Nanjing. Hier ist es kalt und bunt.
http://www.vimeo.com/8402630Heute waren wir im Grünen. Unglaublich, dass man nach drei Haltestellen mit der Metro (…U-Bahn…) und ein paar Minuten mit dem Bus mitten in der Natur landet. Wir sind mit einem Lift auf 485 Meter über Meeresspiegel gefahren – obwohl das gute Stück ziemlich rostig aussah und ich mich fragte, ob es die zu erwartende Volllast in den Sommermonaten noch einmal überstehen wird. Etwa 6€ für Hin-und rückfahrt finde ich übrigens schlicht wucher, das will ich gar nicht in Mensaessen in Xi’an umrechnen.
Sei es drum, heute waren wir quasi fast die einzigen Fahrgäste und ein netter Ausblick war es in jedem Fall. (Für mich übrigens das erste Mal, dass ich mit so einem Freiluftlift gefahren bin, der ja sonst eher dort zu finden ist, wo man Ski fährt. (Mir wurde ja letztes Jahr in Reutlingen von einem kleinen Profi versprochen, dass man mir mal Grundlagen im Snowboarden beibringt. Da sollte ich dranbleiben an diesem Versprechen.))
An dieser Stelle muss ich den Ausblick auf den morgigen dritten Tag in Nanjing ausfallen lassen, weil er noch nicht geplant ist. Ich werde mich aber in jedem Fall noch dicker anziehen. Deutschland, wie habt ihr -17 Grad ausgehalten?
Selbstgestrickte Winterpullis mit Tiermotiven von Oma, die euch unter dem Baum keine Freude bereitet haben, bitte an mich!
1 Kommentar
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sylvia
also ist bahn in china deutlich billiger als lift? wenn man seine warmen uncoolen socken mitgenommen hätte, wie mum gesagt hat, müsste man jetzt nicht frieren. durch die kälte kommt man, wie konfuzius sagt, es gib auch wieder wärmere tage.
28.12.2009, 20:28 Uhr